The Lottery

Author: Shirley Jackson

Type: Short Story

Genre: Horror, Dystopia

Reading Month: January 2026

Club Rating: 5.0

Library Copy: Catalog entry at Warendorf Public Library

Als Short Fiction wurde Shirley Jacksons wohl bekanntestes Werk bereits im Juni 1948 im New Yorker veröffentlich und hat seither Rekorde aufgestellt: Keine andere Veröffentlichung hat dem Magazin so viele Leserreaktionen beschert. Die Stimmen reichen dabei von “pervers” bis “genial” und gerade deshalb ist diese Short Story lesenswert: Sie wühlt uns emotional auf. Sie spielt mit unserer Vorstellung von Gerechtigkeit, Schuld und Verantwortung. Sie setzt das Individuum, also jeden einzelnen Leser, geschickt in den Mittelpunkt der Masse und zwingt uns zu Entscheidungen, die uns nicht mehr loslassen – auch lange nachdem wir den letzten Satz ausgelesen haben.

Jackson, die es in alltäglicher Sprache auf so erschreckend einfache Art versteht, der Banalität des Bösen im Menschen Ausdruck zu verleihen, liefert mit “The Lottery” eine Geschichte, die sich als Projektionsfläche für die wirklich wichtigen Diskussionen im Leben eignet: Diskussionen von so abstrakten Themen wie Traditionen vs. Freiheit, Individuum vs. Gesellschaft, freier Wille, Konformität, Menschenrechte, (Todes-) Strafe, Rechtsstaat mit all den dazugehörigen gesellschaftspolitischen Implikationen.

Leider sieht sich der Text in den Vereinigten Staaten auch (oder vielleicht gerade) heute noch der Zensur ausgesetzt. Von zu viel brutaler Gewalt ist die Rede, was verwundert, weil der Text (bis auf einen vernachlässigbaren Satz) keine Gewaltdarstellungen enthält. Gewalt und Zwang sind zwar die beherrschenden Themen, aber eben nur angedeutet, nicht dargestellt. Der Text ergötzt sich nicht an Gewaltfantasien, sondern nutzt die Gewalt beiläufig, quasi symptomatisch um die Ursachen und Motive dieser in den Vordergrund zu rücken.

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